Rasend schnell sind 4 Jahre auf der kleinen Insel mitten im Atlantik vorbeigerauscht. Und ebenso schnell hat sich die Insel selbst innerhalb der letzten 4 Jahre verändert. Tausende neue Bauten, Hotels, Shoppingcentren und unzählige neu erschlossene Wohngebiete sind in Küstennähe ohne Sinn und Verstand errichtet worden, denn der Grossteil wird nicht genutzt. Wo man vor 4 Jahren noch gemütlich mit dem Bike cruisen konnte, sind heute Hauptverkehrsstrassen. Alte rostige Autos findet man heute im Zuge der ehemals grosszügigen Kreditvergaben kaum noch. Rauchen ist nun bis auf wenige Ausnahmen in öffentlichen Gebäuden sowie den meissten Restaurants verboten. Eine mittlerweile 6-spurige Autobahn führt vom Süden in den Norden der Insel, auf der trotz Geschwindigkeitsbegrenzung gedrängelt, gerast und gelichthupt wird, was wiederum mit der deutlich zu erkennenden steigenden Unzufriedenheit der Canarios zu tun hat, da die Wirtschaftskrise mittlerweile auch hier angekommen ist. 4% Inflation, steigene Immobilienkredite (mir fällt grad der genaue Begriff nicht ein) bei gleichbleibenden Löhnen für diejenigen, die derzeit noch Arbeit haben. Denn 50% mehr Arbeitslose im Vergleich zum Vorjahr, mitunter aufgrund drastischen Rückgangs des Hauptverdienstzweiges Tourismus lassen schon erahnen, in welche Richtung es gehen wird. Während ich noch vor 4 Jahren Kinder mit Dingen aus der Natur hab spielen sehen, laufen sie heute mit div. technischem Zeugs rum. Die Insel und das Denken der Menschen hier sind oberflächlich betrachtet europäischer geworden und immer weniger Dinge erinnern mich daran, dass ich mich auf einer Insel im Atlantik, unweit von Afrika befinde. Aber dies alles ist wohl nur der normale Gang der Zivilisation, vor der sich nur einige wenige retten können, die sich für ein Leben abseits des Kapitalismus in einer der Höhlenwohnungen entschieden haben.
Von Klimaerwärmung ist hier ebenfalls nichts zu spüren. Im Gegenteil. Dieser Winter war der kälteste seit Jahren und in den 4 Jahren habe ich nie soviele angezogene Touristen gesehen wie in Diesem. Selbst ich bin in den Nachtstunden mit den Hunden spazieren gegangen, als würde ich zum Skifahren gehen.
Viele habe ich kommen und gehen sehen, wobei es mir nur bei den wenigsten Leid tut, dass sie wieder zurück gehen mussten. Grade in den letzen Monaten haben laut Statistik tausende Ausländer die Kanaren offiziell verlassen, um in deren Heimat aufgefangen zu werden. Wer nach Gran canaria auswandert, muss heute unabhängiger sein, als in den Jahren zuvor, denn Ausländern wird hier nichts in den Schoss geworfen. Zumal es immer weniger Arbeit gibt, und die wenige vorhandende Arbeit wird verständlicherweise bevorzugt an Einheimische vergeben.
Dennoch werde ich weiterhin die überwiegenden Vorteile Gran Canarias geniessen. Welche genau, muss jeder für sich selbst finden und ich wünsche den vielen anderen Ausländern, welche nach Gran Canaria auswandern, oder über das Vorhaben nachdenken, dass sie es ebenfalls schaffen und hier ihre neue Heimat finden werden.
Noch ein kleiner “Überlebenstip” für Auswanderer: Beschränkt euren Kontakt zu Landsleuten auf ein freundliches “Guten Tag” und versucht euch in die einheimische Welt zu integrieren. Die Sprache ist dabei kein Hinderniss, auch wenn viele der Deutschen hier grade dies immer wieder , meiner Meinung nach fälschlicherweise, betonen. Kein Canario hat Probleme, wenn ihr die Sprache nicht beherrscht. Passt es menschlich, klappt es auch mit Händen und Füssen und die Sprache lernt man dann mit der Zeit direkt an der Quelle.



Susi
Danke für deinen Erlebnisbericht. Besonders dem letzten Satz kann ich voll zustimmen.
Sylke
Hallo! Ich bin über deinen Bericht “gestolpert”, weil ich zurzeit alles “aufsauge”, was über Gran Canaria im Internet zu finden ist, da wir vorhaben, dort zu leben. Du hast das alles sehr schön geschrieben und uns ist auch bekannt und bewusst, dass es noch vor ein paar Jahren einfacher war, Fuß zu fassen. Momentan suchen wir Jobs, denn wir haben zwar etwas in Aussicht, aber das ist weder 100 %ig noch wissen wir, wann es wirklich los geht. Und wir möchten sehr gern schon in diesem Herbst resident werden, weil unsere Tochter auf die Deutsche Schule gehen soll und das Schuljahr im September losgeht. Wir haben noch eine ganze Menge vor uns, aber wir sind hochmotiviert und wollen es wirklich schaffen!!! Ich wünsche dir weiterhin alles gute in deiner Wahlheimat! LG Sylke
Andreas Mächtlinger
Hallo
danke für diesen Bericht. Ich denke ich habe hier einen Zahn gezogen bekommen.!!