Gerade auf Gran Canaria scheint sich die Spezies der Freibiergesichter sehr wohl zu fühlen. Bei ganzjährig angenehmen Temperaturen findet man sie 365 Tage im Jahr gehäuft vorkommend in den von wohlhabenden Gönnern bevorzugten Lokalitäten. Erkennungsmerkmal sind ein verschaltes, warmes Bier vor sich auf dem Thresen, an dem sie stundenlang rumnippeln, während ihr Blick durch das Lokal wandert, wie der eines verängstigten Karnickels auf der Suche nach seinem Jäger.
In der Hoffnung, jemanden zu entdecken, welcher mehr als 1,50 Eur für ein Bier in der Tasche hat und welchem man mit gekonntem Bauchpinseln das ein oder andere Bierchen oder Schäpschen entlocken kann, versammeln sich Freibiergesichter häufig in unmittelbarer Nähe elitärer Stammtische in hiesigen Residentenkneipen. Gut organisiert sprechen sie sich untereinander ab und lassen keinen Geburtstag oder ähnliche Anlässe aus, um sich auf Kosten anderer ins Koma zu trinken. Sie selbst jedoch strotzen vor Geizigkeiten und sind grundsätzlich wie vom Erdboden verschluckt, wenn sie selbst (aus welchem Anlass auch immer) eine Runde schmeissen sollten, um für eine ausgeglichene Basis zu sorgen.
Der am häufigsten verwendete Satz eines Freibiergesichts lautet ” Kann ich Deckel machen?. Ich zahl dann Morgen”. Ein Morgen gibt es allerdings nicht, denn morgen tummeln sie sich in einer anderen Kneipe, um auch dort wieder einen Deckel machen zu können, sofern sich kein Gönner finden lässt. Es vergehen Tage oder Wochen, bevor sie wieder zur Ausgangsstation zurückkehren, um ihren Deckel zu bezahlen, sofern sie dies überhaupt tun.
Geraten Freibiergesichter an einen vermeintlichen Gönner, welcher bei Begleichen der Rechnung erschreckenderweise erwartet, dass sich das Freibiergesicht beteiligt, färbt sich die Gesichtsfarbe vom Rubinroten ins Leichenblasse, begleitet von epileptischen Anfällen und dem zittrigen Griff zum Portemonnaie, in welchem sie mit letzer Kraft nach vereinsamten Groschen suchen…


